MONIKA FIRLA

Verkörpert uns Soliman?

Oder:

Hat er seine Haut selbst gespendet?

Eine Provokation zu

STATION*CORPUS

Zuerst erschienen als Druckversion Wien 2001

INTERNET-VERSION Januar 2003

© Monika Firla

Siehe auch: Monika Firla, Angelo Soliman und seine Freunde.

Wien: TANZ*HOTEL/Art*Act Kunstverein 2003

 

 

Prolog

1

Ausgestopft in – Amerika

Der Austroafrikaner bzw. Afroösterreicher Angelo Soliman ist bis heute so bekannt, weil er nach seinem Tod 1796 ausgestopft wurde und bis 1806 zehn Jahre in der zoologischen Abteilung des Wiener k.k. Naturalienkabinetts stand, bevor sein Präparat 1848 im Dachmagazin verbrannte. Das Kabinett befand sich im linken Flügel der Hofbibliothek am heutigen Josefsplatz 1, in dem bis zur Gegenwart die Handschriftenabteilung der Österreichischen Nationalbibliothek untergebracht ist. Die zoologische Abteilung war von Direktor Abbé Simon Eberle in passend decorierten Zimmern als eine Folge verschiedener Landschaftsdarstellungen konzipiert worden, die durch ihre Ausstattung mit naturalistisch bemalten Rückwänden, künstlichen Felsen, Bäumen, ausgestopften Tieren usw. die Illusion der Echtheit hervorrufen sollten.

Soliman stand in den Kabinettsräumen des 2. Stocks und dort im letzten Zimmer:

Das vierte Zimmer endlich enthielt blos eine einzige Landschaft, die eine tropische Waldgegend mit Strauchwerk, Wasserpartien und Geröhre darstellte. Hier bemerkte man ein Wasserschwein, einen Tapir, einige Bisamschweine und sehr viele amerikanische Sumpf- und Singvögel in mannigfaltiger Weise gruppiert.

In demselben Zimmer, links vom Ausgange, von welchem man durch einen langen Corridor in die Bibliothek und durch diese wieder auf die Hauptreppe gelangte, befand sich in der Ecke ein mit grüner Ölfarbe angestrichener Glasschrank, dessen Thür, welche die Vorderwand des Schrankes bildete, mit einem Vorhange aus grünem Taffet verkleidet, und der in seinem Inneren hellroth angestrichen war. In diesem Schranke war A n g e l o S o l i m a n verwahrt, der dem besuchenden Publicum, bevor dasselbe jene Abtheilung verließ, von einem Diener besonders gezeigt wurde.

Soliman stand nicht in seiner gewohnten Kleidung in diesem Schrank, sondern in einem Kostüm nach Art allegorischer Darstellungen der Erdteile Afrika oder Amerika:

A n g e l o S o l i m a n war in stehender Stellung mit zurückgerücktem rechten Fuße und vorgestreckter linker Hand dargestellt, mit einem Federgürtel um die Lenden und einer Federkrone auf dem Haupte, die beide aus rothen, weißen und blauen, abwechselnd aneinander gereihten Straußfedern zusammengesetzt waren. Arme und Beine waren mit einer Schnur weißer Glasperlen geziert und eine breite, aus gelblichweißen Münz-Porcellanschnecken (Cypraea moneta) zierlich geflochtene Halskette hing tief bis an die Brust herab.

Wie sich aus der Beschreibung des Dioramas zeigt, befand sich der Afrikaner Soliman nicht etwa in einer afrikanischen, sondern in einer amerikanischen Landschaft! Denn nicht nur die Sumpf- und Singvögel stammten aus Amerika, sondern auch Tapir und Wasserschwein, die beide gerade nicht in Afrika, wohl aber in Amerika vorkommen. In der tatsächlich afrikanischen Landschaft konnte man dagegen seit 1801 den Mulaten P i e t r o M i c h a e l e A n g i o l a betrachten, der als Thierwärter in der kaiserl. Menagerie zu Schönbrunn gedient hatte. Er ritt lanzenbewert auf einem Kamel.

 

2

Die anderen Präparate

1798 hatte Königin Marie Caroline, eine Tante Kaiser Franz´ II., der Sammlung ein anonymes ausgestopftes Negermädchen von sechs Jahren geschenkt, das ähnlich drapiert wie Soliman, aber in sitzender Stellung in seinem Kasten Platz fand. 1801 folgte der bereits erwähnte Pietro Michaele Angiola, und 1808 verehrte dem Naturalienkabinett dann Frater Narciss, der leitende Krankenpfleger des Spitals der Barmherzigen Brüder in der Leopoldstadt, den im 38. Lebensjahr verstorbenen Afrikaner Joseph Hammer. Er wurde zwar ebenfalls ausgestopft, stand aber niemals in der Dauerausstellung. Anders als bei Soliman erschienen über diese drei Personen im Verlauf der letzten zweihundert Jahre mangels historischer Überlieferung keine Biographien. Sie fielen der Vergessenheit anheim, und Soliman avancierte so allein zum ewigen Ausgestopften in der Wiener Geschichte.

Im allgemeinen wird das Faktum von Ausstopfung und Zurschaustellung Solimans als Folge einer kaiserlichen Anordnung und Akt der vorsätzlichen Demütigung dargestellt. Auch wenn die Angelegenheit doch etwas anders vonstatten ging, und Soliman offenkundig als Teil einer höchst modern gemeinten Ausstellungskonzeption verstanden wurde, wie wir noch sehen werden, so ist hier doch gleich ein für allemal zu betonen, daß Ausstopfung und Zurschaustellung der Vierergruppe objektiv betrachtet skandalös und rassistisch waren, und zwar deshalb, weil man nur Personen afrikanischen Ursprungs und nur sie ausgestopft präsentierte, weil nur Tiere und genau diese Personen afrikanischen Ursprungs ausgestopft in Erscheinung treten mußten und Personen, die nicht afrikanischen Ursprungs waren, nicht. Hätte man auch weiße Europäer im k.k. Naturalienkabinett präsentiert, wo es ja neben den Dioramen außereuropäischer Landschaften auch solche gab, die europäische Regionen und Tiere zeigten, dann wäre Solimans Präparation für uns niemals zum Thema geworden.

 

 

 

3

Seine Haut zu Markte tragen

Betrachtet man die überlieferten Daten genauer und in einem größeren Rahmen, dann drängt sich die Vermutung auf, Soliman habe durch seine eigene Entscheidung zu Lebzeiten seinen Körper gespendet und somit auch seine Haut; er habe die verirrte Ausstellungskonzeption mitgetragen, in der neben ausgestopften Tieren nur noch ausgestopfte Menschen a f r i k a n i s c h e n Ursprungs zu sehen waren; er habe im wahrsten Sinne des Wortes seine afrikanische Haut zu Markte getragen. Und warum sollte er sich anders verhalten als die meisten anderen Individuen im Lauf der Geschichte, die ebenfalls ihre Haut zu Markte trugen, ganz unabhängig von deren Farbe, die sich ´dem Markt anpassen´ mußten, sich ´marktgerecht´ anboten, dabei ihre Überzeugungen aufgaben, verkauften und verrieten, weil sie in ihrer Gesellschaft nicht anders überleben konnten und damit die notwendige soziale Anerkennung und den eigenen Lebensunterhalt erwarben. Dieser Mechanismus findet sich überall auf der Welt, und wir unterliegen ihm selbst, was ihn jedoch in keinster Weise rechtfertigt!

 

 

Die ´Verwendung´ von Solimans Körper

1

Die Eingeweide

Karoline Pichler, Solimans erste Biographin, äußerte sich in ihrer Kurzbiographie von 1808 überhaupt nicht zur ´Verwendung´ von Solimans Leichnam. Henri Grégoire hatte die Kurzbiographie für seine Publikation De la Littérature des Nègres bestellt, in der die Leistungen der Afrikaner auf ihrem Heimatkontinent und in Europa positiv dargestellt werden sollten. Die Tatsache der Ausstopfung ist, wie wir inzwischen zur Genüge wissen, so makaber, daß sie bei ihrer Erwähnung die übrigen, geglückten Aspekte in Solimans Biographie in den Hintergrund treten läßt. Bauer trug in seiner 1922 erschienenen erweiterten Soliman-Biographie dann die verschiedenen Quellen zur ´Verwendung´ des Leichnams zusammen: Nach Solimans Tod am 21. November 1796 kam sein Körper [...] zur medizinischen Fakultät, um damit medizinische Versuche vorzunehmen, also an die Wiener Universität. Eine Beerdigung fand am 23. November statt, allerdings ohne Skelett und Haut, die Solimans Tochter am 14. Dezember 1796 vergeblich einforderte. Begraben hatte man also, wie es in solchen Fällen üblich war, die Eingeweide.

 

2

Rechtschaffenheit und Schönheit

In der ältesten Quelle zur Ausstopfung, einer Eingabe des Erzbischöflichen Konsistoriums Wien, wird Abbé Simon Eberl(e) ausschließlich als Initiator der Ausstopfung angegeben. Fitzinger nennt in seinem Bericht von 1868 dann Kaiser Franz II. als Initiator der Ausstopfung, der die ganze Familie angeblich zugestimmt habe, was allerdings für Solimans Tochter Josephine, die mehrmals seine noch nicht bestatteten Überreste einforderte, nicht zutrifft. Die staatlichen Stellen betonten, Soliman sei (subjektiv betrachtet) nicht aus verwerflichen Gründen ausgestopft worden. So schreibt der zuständige Beamte Hägelin auf die Intervention des Erzbischöflichen Konsistoriums, daß auch niemals die Absicht gewesen sei, einen wegen seiner Rechtschaffenheit allgemein bekannten Angelo Soliman in Gesellschaft mit anderen Tieren oder auf eine zur oeffentlichen Unehre gereichende oder zum Spott und Gelächter der Zuseher gereichende Art zur oeffentlichen Schau zu stellen. Und Fitzinger, der spätere Naturalienkabinettsdirektor, betont ebenfalls, man habe Soliman wegen der Schönheit seiner feingeschnittenen Gesichtszüge sowie auch [...der] Zartheit und Ebenmässigkeit seines Baues, welche sich bis in sein spätestes Greisenalter in wunderbarer Weise erhalten hatten, ausstopfen und ausstellen lassen – ebenfalls subjektiv betrachtet, versteht sich.

 

3

Anatomische Theatralik

Menschen ausgestopft in öffentlichen Sammlungen auszustellen, war im übrigen keine neue Darbietung des Wiener k.k. Naturalienkabinetts im Jahr 1796. Ausgestopfte Menschen standen spätestens seit dem Ende des 17. Jahrhunderts in sog. Anatomischen Theatern und Kunstkammern bzw. Raritäten- oder Naturalienkabinetten. Die Sektionssäle beispielsweise waren wie Amphitheater angeordnet, um möglichst vielen Zuschauern Sitz- oder Stehplätze und Sicht auf den Sektionstisch zu ermöglichen. Sektionen zuzusehen, war ein beliebter Zeitvertreib des Laienpublikums. In den Sommermonaten, in denen aus konservatorischen Gründen keine Leichenöffnungen stattfinden konnten, wurden Skelette, die medizinischen Geräte, seltene Sammlerstücke, auch aus dem ethnographischen Bereich, entlang der Bänke in Kästen ausgestellt und auf die Geländer montiert. Das berühmteste Anatomische Theater befand sich in Leiden in einer ehemaligen Beginenkirche. Es gehörte zur Universität und verfügte mindestens 1698 bis 1761 über zwei riesenwüchsige ausgestopfte Deserteure, mindestens 1735 bis 1761 über eine ausgestopfte Heidin bzw. Foemia Ethnica, die eine Zigeunerin war, und mindestens 1732 über drei ausgestopfte Kinder.

Im Fall der Deserteure (weißer Hautfarbe) ist anzunehmen, daß man sie standrechtlich erschossen hatte, und wie alle Delinquenten gehörten sie danach zweifellos zu einer Kategorie, die traditionell der Anatomie überstellt werden durfte, weil sie durch ihre Hinrichtung das Recht auf ein ehrliches Begräbnis verwirkt hatten. Daß sie riesenwüchsig waren, wie viele – oft zwangsweise – Rekrutierte, machte sie für Ausstellungszwecke besonders interessant. Zigeuner wiederum wurden oftmals erfroren von ihren Verwandten, die sich aus Not nicht anders zu helfen wußten, auf freiem Feld zurückgelassen. Als herrenlose Personen ohne Anhang aufgefunden, gehörten sie dann, wie in der Regel alle anonymen Erfrorenen, auch zu einer klassischen Kategorie von Personen für die Anatomie, weil sie dadurch die von der Allgemeinheit aufgebrachten Bestattungskosten ´abarbeiten´ konnten. Sie wurden für die Ausstellung durch ihr ungewöhnliches Ausehen interessant. Warum jedoch die drei Kinder ausgestopft worden waren, bleibt unklar, da für sie eine nähere Beschreibung im Katalog des Leidener Anatomischen Museums fehlt. Allerdings durften auch in Waisenhäusern Verstorbene der Anatomie übergeben werden, damit sich die Übernahme der Kosten für ihre Bestattung ´amortisierte´.

 

4

Die naturwissenschaftliche Avantgarde in Solimans Freundeskreis

Das Anatomische Theater in Leiden war weltberühmt und wurde bei Auslandsreisen vom europäischen Hochadel besucht, so z.B. von Herzog Eberhard Ludwig von Württemberg am 20. Mai 1700. Zum Bestand der Kunst- und Raritätenkammer des Zaren Peter I. gehörte übrigens auch der ausgestopfte Foma aus der Provinz Irkutsk. Foma besaß an Händen und Füßen nur zwei Finger bzw. zwei Zehen. Joseph von Barth (1747-1818), der berühmte Anatom, Augenspezialist und seit 1791 kaiserlicher Leibaugenarzt, ein Freimaurerbruder Solimans in der Loge "Zur wahren Eintracht", richtete ab 1786 in der Wiener Universität auch ein Anatomisches Theater und ein prachtvoll ausgestattetes Anatomisches Museum ein, für das er intensiv Präparate sammelte. Diese Barth´sche Sammlung bestand als das anatomisch-pathologische Cabinet der Universität auch 1817 noch und enthielt die [a]usgestopfte Haut eines zweijährigen Mädchens, welches an Elephantiasis litt. Ausgestopfte Personen waren also auch in diesem Fall, als Soliman 1796 präpariert wurde, entgegen Bauers fälschlicher Vermutung, nichts Neues.

Zu dem Schülerkreis um Joseph von Barth gehörte auch Rudolf Vetter (1765-1806), der in Solimans Todesjahr am Wiener allgemeinen Krankenhaus als Prosektor (Assistent des Anatomieprofessors) arbeitete und zusammen mit dem noch berühmteren Peter Frank Begründer der pathologisch-anatomischen Sammlung dieser Einrichtung war. Bereits Bauer stellte fest, daß ein Dr. Vetter in der Verlassenschaftsakte Solimans genannt wird, welcher die Zeitungsblätter einlegte. Vetter wird in dieser Akte zusammen mit einem Doktor Veith aufgeführt, jedoch nicht, wie Bauer angab, nur in einem Verzeichnis der Gläubiger, sondern in einem Verzeichnis der Erben, und Gläubiger, die sich am 14. Februar 1797 zur Testamentsabwicklung einfanden. Alle anderen Personen außer Veit und Vetter, meldeten Geldforderungen an, und Solimans Tochter, die am 18. Dezember 1772 geboren worden und wohl noch nicht volljährig war, fehlt in dieser Liste völlig. Dies bedeutet, daß Veit und Vetter die Seite der Erben vertraten bzw. zu den Erben gehörten. Und ein solches Erbe konnte nur Soliman selbst zu Lebzeiten geregelt haben.

Dr. Veith kann kein anderer gewesen sein als August Veit(h) von Schittlersberg (1751-1811). Er war Freimaurerbruder Solimans in der Wiener Eliteloge "Zur wahren Eintracht" und Zeremonienmeister, als Soliman das Amt des Vizezeremonienmeisters innehatte. Von Solimans Leichnam wurden, wie oben bereits bemerkt, wohl nur die Eingeweide begraben. Da Vetter Anatom war, in Solimans Verlassenschaftsakte in der Kategorie der Erben erscheint und auch noch Zeitungsblätter einlegte, drängt sich der Schluß auf, daß Vetter Solimans Körper zumindest teilweise erbte, denn die Haut kam ja ins Naturalienkabinett und nicht ins allgemeine Krankenhaus. Weiter folgt, daß Vetter die Eingeweide in Solimans Wohnung, wohin er nach seinem auf der Straße erlittenen Schlaganfall gebracht worden war, entnommen haben muß, um dann die Leibeshöhle zur Stabilisierung des Hohlraums und Absorption der Gewebefeuchtigkeit mit Zeitungspapier auszupolstern, da man mit dem Toten ja noch weiterhantieren wollte. Wie bereits Bauer ganz richtig äußerte, ging die ´Bearbeitung´ sehr schnell vonstatten, da der Bildhauer Franz Thal(l)er (1759-1835) unmittelbar nach Solimans Ableben den Gipsabdruck seines Kopfes fertigte und diese Schnelligkeit bei einer erst beim Tod erfolgten Einmischung aller Beteiligten nicht denkbar ist, selbst wenn der Kaiser als Besitzer des Naturalienkabinetts involviert war. Auch dies deutet drauf hin, wie schon Bauer zu Recht annahm, daß die ´Verwertung´ des Leichnams bereits zu Solimans Lebzeiten beschlossene Sache gewesen sein muß. Die naturgetreue Büste (eine sog. Moulage über Natur), welche Solimans Gesicht und Kopf unmittelbar nach seinem Tod verewigte, wurde 1996 von mir im Rollettmuseum der Stadtgemeinde Baden bei Wien geortet.

Wie Solimans Tochter Josephine in einem Beschwerdebrief anführte, war sein Körper zuerst zur medizinischen Fakultät gebracht worden, um damit medizinische Versuche vorzunehmen. Es kann sich dabei nur um die Abteilung für Anatomie gehandelt haben. Dort war 1791 nach dem Rücktritt Barths nun im Jahr 1796 Georg Prochaska Nachfolger auf der Anatomischen Lehrkanzel. Prochaska gehörte ebenfalls zum unmittelbaren Schülerkreis Barths, genauso wie Vetter. Welche Versuche man in der Anatomie mit Solimans Körper vornahm, ist bisher unbekannt. Jedenfalls überstellte man den Leichnam danach dem Naturalienkabinett. Laut einer Eingabe von Solimans Tochter, zog ihm dort Abbé Simon Eberle, der damalige Leiter des k. k. Naturalienkabinetts, persönlich die Haut ab. Wie Veit von Schittlersberg und Barth war auch Eberle Freimaurer. Allerdings gehörte er nicht wie diese beiden zu Solimans Loge "Zur wahren Eintracht". Doch ist er als besuchender Bruder ihrer kurzlebigen Nachfolgerloge "Zur Wahrheit" – zu der auch Soliman wieder gehörte – am 6. März 1785 verbürgt. Die Präparation von Solimans Leichnam, also die Anfertigung des Stopfpräparats, führte laut Fitzinger wiederum Thaller durch, der ja schon den Gipsabguß von seinem Kopf abgenommen hatte. Sie wurde im Hof des k. k. Hofbibliotheksgebäudes in einer Wagenremise vorgenommen. Das Stopfpräparat stand dann, kostümiert wie eine Allegorie des Erdteils Afrika bzw. Amerika, nämlich mit Federrock und Federkrone bis 1806 im k. k. Naturalienkabinett , das nach Simon Eberles Weggang 1802 der Theologe und Naturwissenschaftler Abbé Andreas Stütz leitete. Er hatte schon unter Eberles Direktion als dessen Mitarbeiter gewirkt. Stütz wiederum war nicht nur Solimans Freimaurerbruder, sondern seit 7. August 1783 Mitglied derselben Loge "Zur wahren Eintracht", wo er an diesem Tag und an fast 30 weiteren mit Soliman zusammentraf. Man kannte sich somit bereits.

Im Zusammenhang mit seinem Nachleben als Naturalienkabinetts-Präparat treten immer wieder Freimaurerbrüder Solimans in Erscheinung. Unmittelbar waren, wie wir bisher festgestellt haben, August Veit von Schittlersberg, Simon Eberle und Andreas Stütz an den Vorgängen beteiligt. Rudolf Vetter, der offenbar Solimans Eingeweide entnahm und bei den Erben genannt wird, galt, wie bereits bemerkt, als Schüler Joseph von Barths, der ab 1786 das erste Anatomische Theater der Wiener Universität eingerichtet hatte. Und mit Barth, der seit dem 25. Februar 1782 auch Mitglied der Loge "Zur wahren Eintracht" war, scheint Soliman eine engere Beziehung unterhalten zu haben. Aufschlußreich für diese Vermutung sind die Protokoll- und Kassenbücher der Loge "Zur wahren Eintracht". Aus ihnen geht hervor, daß sich Soliman und Barth zwischen Juli 1782 und April 1783 mindestens viermal unmittelbar nacheinander in die Anwesenheitsliste eintrugen, was bedeuten könnte, daß sie gemeinsam das Logenlokal betraten und auch gemeinsam gekommen waren. Im Juli und August 1783 votierte Soliman insgesamt zweimal anstelle von Barth, der ihm somit sein Stimmrecht übertragen haben muß. Im Juni 1783 bezahlte Soliman einmal in Vertretung für Barth dessen monatlichen Mitgliedsbeitrag. Barth sezierte zweifellos bereits 1789 eine Mohrin, denn auf seine Anordnung hin war die am 12. Januar 1789 verstorbene Mohrin Victoria Arcate zum Gebrauch an die Universität Wien überstellt worden, wo er als Ordinarius für Anatomie wirkte.

 

5

Museumsdidaktische Irrwege

Die Loge "Zur wahren Eintracht" war d i e Wiener Eliteloge. Sie stellte die höchsten wissenschaftlichen Ansprüche an sich. 1785 richtete sie auf Anregung ihres Meisters vom Stuhl, Ignaz von Born (1742-1791), in ihren Räumen ein Naturalienkabinett ein, mit der Begründung, daß die Betrachtung der Natur eine Hauptbeschäftigung des Maurers sey. Soliman muß auch mit Born eng befreundet gewesen sein, da er schon im November 1781 für dessen Aufnahme in die Loge "Zur wahren Eintracht" gesorgt hatte, worauf Born dann als Meister vom Stuhl Soliman im März 1783 zum Vorbereitenden Bruder ernannte. Dessen Funktion war es, die neu aufzunehmenden Mitglieder zu examinieren. Der uns schon bekannte Andreas Stütz kam als einer der beiden Organisatoren des freimaurerischen Naturalienkabinetts zum Einsatz. Stütz, unter dessen späterer Leitung das k. k. Naturalienkabinett noch zwei weitere Afrikaner ausgestopft ausstellte, hielt am 7. Oktober 1785 eine Rede über den Heroismus der Freundschaft. Aufschlußreich dürfte auch seine sogar gedruckte Rede zum Thema Tod ist Leben sein. Dort heißt es über den Zustand des Körpers nach dem Tod:

Schrecklich ist diese Veränderung dem Auge und dem Herzen, aber dem forschenden Verstand ist sie es nicht. Dieser weiß, daß in der Schöpfung keine Zerstörung statt findet, und daß alles, was uns die Vernichtung scheint, nichts ist als Auflösung, Entwicklung, Verfeinerung. Der Tod des einen ist Leben des Anderen.

In Verbindung mit der alten Losung "Hic mors gaudet succurrere vitae" ("Hier gefällt es dem Tod, dem Leben zu helfen"), könnte Stütz´ Text einen naturwissenschaftlichen Geist dokumentieren, aus dem heraus Solimans Ausstopfung bzw. Präparierung und Ausstellung als Akt der aufgeklärten, vorurteilsfreien Naturwissenschaft im Museum betrachtet wurde. Äußerungen des Heidelberger Anatomen Gunther von Hagens, der die Plastination von Toten erfand und seit 1996 ihre Ausstellung in der Schau "Körperwelten" organisiert, erhalten in diesem Zusammenhang eine merkwürdige Nähe zur Haltung von Stütz. Die Ausstellung zeigt u. a. gehäutete plastinierte Tote in verschiedenen Posen. Darunter befindet sich ein Schachspieler, ein Läufer, ein Fechter, eine liegende Schwangere mit sichtbarem Foetus und ein Mann, der seine abgezogene Haut emporhält. Von Hagens erklärt, die lebendige Pose seiner Exponate bewirke eine Illusion von Leben, die den Gedanken an Leiche und Trauer zurückdrängt, ja aufzuheben vermag.

Stütz wiederum interpretiert Vernichtung zu Verfeinerung um, wie das obige Zitat aus seinem Text zeigt. Und man muß sich nur wundern, wie sehr er seine Identität als katholischer Theologe ablegen kann, da sich doch gerade das Christentum dadurch definiert, daß es seinen Anhängern die `Auferstehung von den Toten´ garantiert. Dies wäre unnötig, wenn es die Tragödie des physischen Todes nicht als d a s zentrale Problem des Menschseins betrachten würde. Und es erstaunt uns nicht, wenn wir auch von Hagens alle Register der definitorischen Akrobatik ziehen sehen, mit der er das Unterste zu oberst kehrt:

Die lebensnahe Pose nähert das Gestaltplastinat so sehr dem Lebendigen an, daß der Betrachter in ihm seine eigene Leiblichkeit erkennen oder sogar erfühlen, sich mit ihm identifizieren kann. Das Gestaltplastinat ist kein Trauerfall, es ist ein Lehrpräparat. Trauer behindert das Lernen, die Gedanken schweifen ab. Deshalb versuche ich, das Gestaltplastinat so lebendig wie möglich erscheinen zu lassen. Befreit vom Makel des Ekels wird so eine lebendige, ganzheitliche Anatomie möglich, bei der sich der Betrachter von der Echtheit faszinieren lassen kann.

Gerade die ganzheitliche, lebensnahe Darstellung läßt nicht vergessen, daß jedes Plastinat ein ganz individuelles Leben repräsentiert. Jedes Plastinat ist ein anatomischer Schatz, individuell bis in den mikroskopischen, ja bis in den genetischen und damit molekularen Bereich hinein. Insofern beweist das Gestaltungsbemühen des Plastinators geradezu seine Intention, den menschlichen Körper aufzuwerten. Damit wird der ethische Vorbehalt, daß in der Gestaltplastination »der menschliche Leichnam { ...} als Sache entwürdigt wird«, entkräftet.

Die Illusion der Verlebendigung läßt sich durch eine markante Gesichtspräsentation, eine emotionale Pose, lebenstypisches Beiwerk wie Accessoires, Kleidung, Werkzeuge und durch das Schaffen von den dem Betrachter vertrauten Lebensräumen wie den Arbeitsplatz oder die freie Natur noch verstärken. Zur Bewegungsillusion tritt die Funktionsvorstellung. Wenn das Plastinat »Schach spielt« oder »reitet« , wird der Tod in geradezu humoristischer Weise an das Leben herangeführt. »Das nicht wegzudenkende Besondere an den Ganzkörperplastinaten ist der Humor (die Pose, wie einer der wenigen haßerfüllten Besucher als Hauptgrund seiner Ablehnung angibt), mit dem es von Hagens ganz offensichtlich gelingt, die Energie der Drohung, die aus der Verdrängung ausstrahlt, in Lust umzuwandeln, ohne Wunsch und Verbot zum Bewußtsein durchdringen zu lassen {...}.«

Um es nur vordergründig zynisch zu formulieren: Vielleicht wollten Eberle und Stütz, in von Hagens´ Worten ausgedrückt, ebenfalls den [afrikanischen] menschlichen Körper aufwerten, da es den Konservatoren ja, wie mehrfach eingeworfen wurde, um die Erhaltung von Solimans schöner Gestalt ging. Und auch die Illusion der Verlebendigung war ihnen durch Solimans Präparierung geglückt. Thaller nahm ja ohne Zweifel gerade deshalb unmittelbar nach dessen Tod einen Gipsabguß von seinem Gesicht, weil vermutlich über die nach diesem geformte Gesichtsplastik dann die Kopfhaut gezogen wurde, um ein Höchstmaß an Echtheit zu erzielen. Und so wie die noch erhaltene Büste Solimans Gesichtsausdruck wiedergibt, sahen ihn mit Sicherheit bereits die Besucher des k. k. Naturalienkabinetts. Vielleicht – um unsere nur vordergründig zynischen Anmerkungen fortzusetzen – wollten Eberle und Stütz analog den Tod in geradezu humoristischer Weise an das Leben herangeführt wissen, wie von Hagens dies mit seinen "Körperwelten" zu tun vorgibt. Denn auch in ihrer Ausstellung reitet ab 1801 eine Person in Gestalt des Afrikaners Pietro Michaele Angiola auf einem Kamel, wie wir oben gesehen haben. Und vielleicht erklärten sie kurzerhand jeden, der dieses verirrte Ausstellungskonzept kritisierte, genauso zum haßerfüllten Besucher, wie es der durch von Hagens zitierte Autor tat.

 

6

Direktor Simon Eberle

Es fällt auf, daß Karl von Schreibers als Nachfolger von Eberle und Stütz bei seinem Amtsantritt im Jahr 1806 alle ausgestopften Afrikaner einschließlich Soliman aus der Dauerausstellung des k. k. Naturalienkabinetts entfernte und ins Magazin verlagerte. An den Fußgestellen aller vier Präparate brachte er Gedenksprüche an. Soliman erhielt das Motto Vi nec e merito est Angelus inter bestias situs (- Durch Zwang und nicht weil er es verdient hätte, wurde Angelo zwischen wilde Tiere gestellt -). Mit diesem Sinnspruch kritisiert von Schreibers ganz deutlich das Ausstellungskonzept seiner Vorgänger.

Solimans Stopfpräparat stand somit nur unter der Ägide seiner beiden Freimaurerbrüder und zugleich Naturwissenschaftler Eberle und Stütz in der Dauerausstellung. Kaiser Franz II. (reg. 1792-1835), der bisher stets als Alleinverantwortlicher für den Skandal der Ausstopfung galt, und der in der Tat alle Entscheidungen mit seinem placet legitimierte, hatte 1806 offenkundig nichts gegen die Veränderung durch von Schreibers einzuwenden. Dabei ist stets zu bedenken, daß die jeweils für das Naturalienkabinett zuständigen Spezialisten – zu denen vor Eberle, Stütz und von Schreibers auch Solimans Freund Ignaz von Born gehört hatte – zweifellos versuchten, ihre wissenschaftlichen Ideen in dieser Einrichtung durchzusetzen. Dies zeigt sich u.a. daran, daß Eberle, Stütz und von Schreibers nach Antritt ihrer Direktorenstelle jeweils ihre eigenen, neuen Ausstellungskonzepte verfolgten. Wie aus einem Brief Georg Forsters hervorgeht, kritisierte man in den Naturwissenschaftlerkreisen um Born folgenden Umstand: Das Naturalien-Cabinet ist bloß in der Mineralogie beträchtlich. Der Kaiser [Joseph II.] kann kein ausgestopftes Tier sehen. – Die ganze Familie hat diese Idiosynkrasie. Forster machte damals auf seiner Reise nach Wilna in Wien Zwischenstation und verbrachte einige Wochen im Kreis der Wiener Freimaurer, besonders der der Loge "Zur wahren Eintracht", die ja die Elite der ortsansässigen Naturwissenschaftler vereinigte. Im Haus Borns begegnete er am 3. September 1784 auch Soliman. Die Auffassung von der Idiosynkrasie des kaiserlichen Abscheus vor ausgestopften Tieren muß Forster im Anschluß an Born übernommen haben. Dieser war zu jener Zeit für das k.k. Naturalienkabinett verantwortlich und stand in engem Kontakt zum Kaiserhaus. Offenkundig diskutierte man in Borns Freimaurerkreisen diese Idiosynkrasie ausführlich und dann wohl deshalb, weil sie seinen Vorstellungen einer neuen, ´modernen´ Präsentation entgegenstand, die offenkundig ein Höchstmaß an Dreidimensionalität und Echtheit intendierte. Und diese Diskussion fand zur selben Zeit statt – nämlich Mitte der 1780er Jahre – als Stütz seinen Vortrag "Tod ist Leben" hielt.

 

 

7

Publikumsgeschmack

Und

Nochmals Simon Eberle

Wie Fitzinger in seiner "Geschichte des k.k. Hof-Naturalienkabinetts zu Wien" belegt, orientierte sich Eberles Konzeption zudem radikal am (von ihm antizipierten) Publikumsgeschmack, den er in der Tat durchschaute, was ihm hohe Besucherzahlen einbrachte:

Director E b e r l e hatte die Absicht, durch eine anziehende und geschmackvolle Zusammenstellung der Thiere nach ihrem Vaterlande, ihrer Lebensweise und ihren Sitten, in eigens zu diesem Behufe passend decorierten Zimmern, die Aufmerksamkeit des Publikums rege zu machen, und erreichte – wie der Erfolg auch lehrte – vollkommen hierdurch sein Ziel.

Eberles Konzept baute nicht auf streng wissenschaftliche Systematisierung, sondern realisierte ein Kontrastprogramm, mit Betonung des ästhetischen Effektes. Die Tatsache, daß er auf Beschriftungen verzichtete, erinnert uns an sich betont fortschrittlich gebende Ausstellungskonzepte unserer Gegenwart, die ängstlich darauf bedacht sind, den Besucher nicht zu überfordern oder zu beeinflussen, und ihn zur freien Assoziation anregen wollen, wobei sich natürlich die Frage stellt, worin dann eigentlich der intellektuelle Sinn eines Museumsbesuchs bestehen soll. Auch Fitzinger kritisierte Eberles Konzeption heftig:

Diese von einander abgesonderten Bilder [Dioramen] waren aber nicht nach einer bestimmten geographischen Reihenfolge, sondern bunt aneinander gereiht, denn bald schloß sich eine asiatische, afrikanische oder amerikanische an eine europäische Landschaft an, bald eine tropische oder eine Wüstengegend an eine Landschaft aus dem hohen Norden oder aus dem gemäßigten Europa.

An eine systematische Anordnung, so wie dieß eine wissenschaftliche Anstalt erfordert, konnte bei dieser Art der Aufstellung allerdings nicht gedacht werden, aber nicht einmal die Namen der einzelnen hier zur Anschauung gebrachten Thiere waren dem Besucher ersichtlich gemacht, der sich damit begnügen mußte, dieselben nach vorausgegangener besonderer Anfrage, aus dem Munde der in den verschiedenen Abtheilungen vertheilten Dienerschaft zu erfahren.

Fitzingers dezidierte Behauptung, Solimans Ausstopfung sei auf Wunsch Kaiser Franz´ II. geschehen, so als sei Eberle nur das ausführende Organ gewesen, überzeugt in diesem Kontext deshalb nicht mehr. Fitzinger hatte außerdem behauptet: Die Familie Soliman´s, durch den Director Abbé E b e r l e von diesem Wunsche des Regenten in Kenntniß gesetzt, willigte in jenes Begehren [ein]. Diese Behauptung stimmt durchaus nicht, wie bereits Bauer festgestellt hatte, da Solimans Tochter Josephine – ihre Mutter war seit 1786 tot – nach der Ausstopfung in mehreren Eingaben verzweifelt gegen die Präparierung protestierte und die konservierten Überreste ihres Vaters zurückforderte. Durch seine schiefe Darstellungsweise wollte Fitzinger, der ja selbst Direktor des k.k. Naturlienkabinetts war, vielleicht bewußt oder unbewußt die Verantwortung für Solimans Ausstopfung allein dem Kaiser und Solimans Familie zuschreiben. Damit zeigten sich seine Dienstvorgänger, seine Institution und auch das von ihm vertretene Fach vollkommen rehabilitiert. Eberle agierte übrigens auch in anderen Fällen keineswegs als bloßer Befehlsempfänger des Kaisers. Wie Fitzinger berichtet, versetzte Franz II. ihn 1801 in den Ruhestand, weil er ungeheure[.] Summen [...] oft ohne vorausgegangene Bewilligung des Kaisers und bisweilen selbst in verschwenderischer Weise für die neuen Sammlungen verausgabt hatte, und auch einige Unregelmäßigkeiten in der Gebahrung den Unmut des Kaisers erregten. Dies deutet darauf hin, daß Eberle sehr genau wußte, was er wollte, und Soliman auch nicht gegen seinen Willen im Naturalienkabinett stand. Die Echtheit eines Stopfpräparats übertrifft vom sammlerischen Standpunkt aus jede noch so gelungene Nachbildung. Und wir finden die Wiedergeburt solchen Denkens in der Ausstellung "Körperwelten" des Heidelberger Anatomen Gunther von Hagens mit ihren Exponaten von enthäuteten durch Plastination konservierten Toten, die in verschiedensten Posen zu sehen sind und den Besucher durch ihre Faszination des Echten in optimaler Weise über den menschlichen Körper informieren sollen. Gemessen am Besucheransturm an allen ihren zahlreichen Stationen war sie die erfolgreichste Ausstellung eines deutschen Wissenschaftlers nach dem II. Weltkrieg.

Bezeichnend dürfte auch die Kritik des Wiener Erzbischöflichen Ordinariats unter Kardinal C. B. A. von Migazzi an Eberle sein. Das Ordinariat stand Solimans Tochter bei ihren vergeblichen Versuchen bei, die noch nicht bestatteten Überreste ihres Vaters vom Naturalienkabinett zurückzuerhalten. Die bereits von Bauer 1922 zitierte Kritik an Eberles Sammelleidenschaft wirft doch ein helles Licht auf seine von mir vermutete Rolle beim Erwerb der Soliman´schen Haut:

 

Wir bitten daher aus den angeführten Günden, dem Abbé Eberl aufzutragen, dass er die Haut des Körpers des Angelo Soliman unverzüglich wieder zurückstelle, bei welcher Gelegenheit er auf die Schranken der Mässigung nachdrucksamst anzuweisen sein dürfte, über welche ihn seine Begierde der Natur auf die Spur zu kommen, hinausgerissen zu haben scheint, da er bald den Kopf eines beredten Predigers als des P[ater] Poschinger, bald jenen des tiefsinnigen Mathematikers und Mechanikers als des Fr[ater] Davids und bald die Haut eines Schwarzen, wie itzt der Erde, die doch allein auf menschliche Überbleibsel einen geltenden Anspruch hat, entzieht und dadurch nur beim Publikum, dem solches nie unbekannt bleibt, Aufsehen erweckt.

 

Das Erzbischöfliche Ordinariat unter Migazzi appellierte somit nicht etwa an Einsicht und Umkehr des Kaisers, mit dem es ansonsten in konstanter Uneinigkeit lebte und den es sehrwohl offen angriff. Vielmehr forderte es die Disziplinierung Eberles, was bedeutet, daß er als der geistige Urheber von Solimans Ausstopfung galt.

 

8

Wie andere Menschen auch...

So unfaßbar es zunächst scheinen mag, all diese Einzeldaten deuten darauf hin, daß Solimans Körper unter wissenschaftlich-beratender Mitwirkung verschiedener Freunde von ihm selbst zur weiteren ´Verwertung´ nach seinem Tod vererbt wurde. Die Echtheit eines Stopfpräparats übertrifft vom museumsdidaktischen Standpunkt – wie wir auch bei von Hagens erfuhren – jede noch so hervorragende Nachbildung. Damit wäre dann auch die Frage beantwortet, warum Soliman nicht aus Wachs nachgebildet worden sei. Sogar ein Mediziner und Hochschullehrer wie Johann Friedrich Osiander schreibt mit Bezug auf seinen Besuch im Barth´schen anatomisch-pathologischen Cabinet der Universität Wien im Jahr 1817, bei dem er das zweijährige ausgestopfte Mädchen sah, welches an Elephantiasis gelitten hatte, mit einer Art heiligem Schauer: Für mich war dieses Präparat weniger der seltenen Krankheit wegen merkwürdig, als deswegen, weil ich hier zum ersten Male einen ausgestopften Menschen sah. Wie oben bereits bemerkt, waren Solimans Logenbruder und zweifellos Freund Veit von Schittlersberg und der Anatom Alois Vetter die Erben seines Körpers. Und der einzige Erblasser kann nur Soliman selbst gewesen sein, da von einer Entmündigung nirgendwo die Rede ist. Betrachtet man die allgemeinen und besonderen historischen Gegebenheiten, dann ist es absolut ausgeschlossen, daß man Solimans Körper durch einen Willkürakt Kaiser Franz´ II. konfiszierte, so wie dies immer wieder suggeriert wird.

Soliman bewegte sich spätestens seit seinem Eintritt in die Loge "Zur wahren Eintracht" im Jahr 1781 im Kreis von Naturwissenschaftlern wie Ignaz von Born, Joseph von Barth, Simon Eberle und Andreas Stütz, die alle zu seinen Freimaurerbrüdern zählten, zum Teil seine Freunde gewesen sein dürften (Born, Barth) und auch als Museumskustoden im k. k. Naturalienkabinett (Born, Eberle, Stütz) bzw. im neu geschaffenen Anatomischen Theater (Barth) wirkten. Soliman war als Funktionär ("Vorbereitender Bruder", Stellvertreter des "Zeremonienmeisters") der Loge "Zur wahren Eintracht" in besonderer Weise verpflichtet. Und da sollte Kaiser Franz II. durch einen gleichsam despotischen Willkürakt der allein verantwortliche Initiator von Solimans Ausstopfung gewesen sein? Er mußte ohne Zweifel nur noch als letzte Instanz mit seiner Unterschrift, da er das Kabinett ja aus seiner Privatschatulle finanzierte, die museumsdidaktischen Verirrungen von gewissen Naturwissenschaftlern wie Eberle legitimieren, als dieser Solimans Leiche vermächtnisgemäß anforderte. Nichtsdestoweniger muß man dem Kaiser vorwerfen, daß er diese Verirrungen mittrug, denn ein Machtwort von ihm hätte sie vereitelt.

Die museumsdidaktische Verirrung, Afrikaner u n d n u r A f r i k a n e r ausgestopft auszustellen, entstand nicht aus einem dynastischen Ungeist heraus. Diese Verirrung fand ihre Wurzeln vielmehr in der zeitgenössischen ´modernen´ Naturwissenschaft, deren Vorstellungen Kaiser Franz II. bis 1806 – dem Jahr, als von Schreibers die ausgestopften Afrikaner aus der Dauerausstellung entfernte – mittrug und gewähren ließ. Gerade während der besten Jahre der subjektiv so fortschrittlichen Naturwissenschaftler um Soliman in den 1780er Jahren veröffentlichte der Anatom Samuel Thomas Soemmerring die erweiterte Auflage seiner Schrift "Über die körperliche Verschiedenheit des Negers vom Europäer", die er ein Jahr zuvor unter dem Titel "Über die körperliche Verschiedenheit des Mohren vom Europäer" publiziert hatte. Darin ging es ihm darum, den Wahrheitsgehalt verschiedener Vorurtheile über die Afrikaner zu untersuchen, die dem Mohren eine niedrigere Staffel am Throne der Menschheit anzuweisen schienen. Und wie nicht anders zu erwarten, fand er durch die Sektionen von vier Afrikanern in Kassel die Bestätigung, daß die Afrikaner als solche in etwas näher dem Affengeschlecht, als die Europäer, grenzen und der ursprüngliche Mensch [...] zum Europäer veredelt, oder zum Neger ausgeartet sey. Über Georg Forster, der, wie oben bereits bemerkt, 1784 wochenlang mit dem Freimaurer- und Naturwissenschaftlerkreis um Soliman zu tun hatte, knüpft sich schließlich die geistige Verbindung zu letzterem. Forster, Soemmerrings Freund, nennt dessen Schrift "Über die körperliche Verschiedenheit des Negers vom Europäer" in einem Brief an ihn vom 26. Dezember 1785 eine schön[e] Abhandlung, die wegen der vielen Facta die sie enthält, vortrefflich sei und Soemmerring Ehre bringen werde bei allen, die sie lesen. Soliman mußte dann aber wohl als Ausnahme von der Regel gelten.

Soliman bewegte sich somit in einem wissenschaftlichen Umfeld, das eine Haltung vertrat, die auch der größte der deutschen Aufklärer, Immanuel Kant, verfocht und der Soemmerrings Schrift begeistert aufnahm. Und da ist es nicht verwunderlich, daß er zweifellos versuchte, sich in und mit diesem Umfeld zu arrangieren. Ein vergleichbares Arrangement hatte bereits ein anderer afrikanischer Zeitgenosse Solimans getätigt. Dies war Jacobus Elisa Johannes Capitein (1717-1747) aus der Nähe von Axim im heutigen Ghana. Er hatte in Leiden Theologie studiert, wirkte von 1742 bis zu seinem Tod als reformierter Geistlicher des Forts Elmina und stand in Diensten der Holländisch Westindischen Kompanie, aus deren Kreis auch sein Studium finanziert worden war. 1742 hatte er an der Leidener Universität mit einer Arbeit "Dissertatio Politico-Theologica de Servitute libertati Christiane non contraria" ( - Politisch-theologische Dissertation über die Sklaverei, die der christlichen Freiheit nicht entgegensteht - ) zum Doktor der Theologie promoviert und somit als Afrikaner eine theoretische Rechtfertigung des Sklavenhandels geliefert. Doch warum wundert uns dies, da ja auch Afrikaner es waren, die Angehörige von Nachbarstaaten, Schwarze wie sie, an die Europäer verkauften. Und auch weiße Europäer verkauften jahrhundertelang weiße Nachbarn aus den slawischen Gebieten als Sklaven in die muslimischen Mittelmeerländer. Wir erinnern uns außerdem an Léopold Sédar Senghor und seine Négritude-Theorie, in der er sich als Afrikaner die Vorurteile der Europäer zueigen machte und allen Ernstes behauptete, die Afrikaner seien keine Vernunft-, sondern Gefühlsmenschen, um fortan die Errungenschaften der afrikanischen Gefühlswelt zu preisen und aus der vermeintlichen Not eine vermeintliche Tugend zu machen.

Und warum sollten denn Afrikaner anders sein als Europäer? Warum sollten denn Schwarze anders sein als Weiße? Wir alle – es sei denn, wir erfreuen uns absoluter materieller Unabhängigkeit – arrangieren uns hundertmal und immer und immer wieder in unserem Leben, weil wir dazugehören wollen und dazugehören müssen, um dieses Leben halbwegs zu fristen. Anna Freud beschrieb diese Identifizierung mit dem Angreifer bei den Weißen, Frantz Fanon beschrieb denselben Mechanismus bei den Schwarzen. Er zeigte damit, wie sich Afrikaner mit den diskriminierenden Sichtweisen der Weißen identifizieren.

So wie von Hagens sein verirrtes Ausstellungskonzept plastinierter Toter als ästhetisierende Aufklärungsveranstaltung über das Leben idealisiert, so idealisierten vermutlich auch die Naturwissenschaftler und Theologen Eberle und Stütz ihr verirrtes Konzept vor zweihundert Jahren. Von Hagens rechtfertigt die Körperspende zur Plastination folgendermaßen:

In einer Zeit der Neubewertung des Körpers, die mit einer höheren Wertschätzung verbunden ist, scheint die Körperspende zur Plastination eine Antwort auf die nicht mehr zeitgerechte christliche Körpernegation zu sein, eine Antwort, die auf den Körper weniger als »Madensack« (Luther), sondern eher als Wunder der Schöpfung abhebt.

Vermutlich hat der Naturwissenschaftlerkreis um Soliman (Born, Barth, Eberle, Stütz etc.) diesen in aller Freundschaft von seinem verirrten Konzept überzeugt. Und man kann sich gewisser Assoziationen kaum enthalten, da Stütz am 7. Oktober 1785 in der gemeinsamen Loge "Zur wahren Eintracht" eine Rede vom Heroismus der Freundschaft hielt, er, der, wie oben bereits bemerkt, dann 1786 seine Gedanken zum Thema Tod ist Leben publizierte. Wenn auch Theologen wie der Wiener Erzbischof Migazzi die Meinung ihres Kollegen Eberle nicht teilten, so hatte dieser sich beim Kaiser doch durchgesetzt. Und der Publikumserfolg schien ihm Recht zu geben.

Solimans Tochter Josephine protestierte mehrmals gegen die Körperverwendung ihres Vaters und forderte die noch nicht bestatteten Überreste vom Naturalienkabinett zurück. Diese Tatsache führt beim Publikum und in der Sekundärliteratur permanent zur Annahme der widerrechtliche Konfiszierung von Solimans Leichnam. Wie wir oben bereits gesehen haben, traten im Zusammenhang mit Solimans Nachlaßregelung sein alter Logenbruder Schittlersberg und der Anatom Vetter in Erscheinung. Zweifellos war Josephine noch nicht volljährig und Schittlersberg ihr gesetzlicher Vertreter, zu dem ihn dann Soliman schon zu Lebzeiten bestimmt haben muß. Daß seine Tochter von der von mir unterstellten Körperspende Solimans nichts wußte, ist nur allzu verständlich. Er wollte ihr vermutlich den Gedanken ersparen, ihren einst schmerzvoll zu betrauernden Vater nach seinem Tod als Stopfpräparat wiedersehen zu müssen. Die bei von Hagens angeführte humoristische Weise der Lebensbetrachtung, die sich angeblich beim Anblick seiner Plastinate einstellt, dürfte sich bei trauernden Hinterbliebenen – auch im Fall von Stopfpräparaten – nicht einstellen. Solimans Tochter hätte bei Kenntnis des von mir unterstellten Vermächtnisses ihrem Vater zweifellos Tag und Nacht keine Ruhe mehr gelassen, um ihn umzustimmen. Dies war offenkundig der Grund, warum er sie nicht informiert hatte.

 

9

Versteckte Hinweise Karoline Pichlers

Im Zusammenhang der von mir unterstellten Körperspende auf Bitten befreundeter Naturwissenschaftler erhält auch eine Bemerkung Karoline Pichlers, der ersten Biographin Solimans, überraschende Bedeutung. Sie charakterisierte ihn folgendermaßen:

Sein Wort war ihm unabänderlich heilig, und was er nach reifer Überlegung beschlossen hatte, war durch keine Überredung mehr zu erschüttern.

Dies könnte eine Anspielung auf angestrengte Versuche weniger naturwissenschaftlich ausgerichteter Freunde Solimans sein, die von seinem Körpervermächtnis zu Lebzeiten erfahren hatten und ihn davon wieder abbringen wollten. Pichler hatte ihre Biographie ja im Auftrag von Henri Grégoire verfaßt, der sie dann in Übersetzung als Kapitel 5 in sein Werk "De la Littérature des Nègres" aufnahm. Und dieses Werk kämpfte gerade gegen die Diskriminierung von Afrikanern, indem es ihre kulturelle Gleichwertigkeit dokumentierte. Solimans Ausstopfung zu erwähnen, die Pichler natürlich bekannt war, hätte sich in diesem Rahmen als kontraproduktiv erwiesen. So wie ja auch heute, wo die Ausstopfung wohlbekannt ist, sich alle anderen Details aus Solimans Biographie immer wieder in Luft aufzulösen scheinen.

Auch der allerletzte Satz in Pichlers Kurzbiographie dürfte in diesem Zusammenhang Bedeutung gewinnen. Denn sie beschließt den Text mit folgenden Worten:

Seine Tracht war immer die vaterländische, eine Art von Türkischer weiter Kleidung, meistens blendend weiß, wodurch die glänzende Schwärze seiner Haut noch vorteihafter erschien.

Dieser Satz über die zwar nicht wirklich vaterländische – denn Soliman war ja kein Türke, trug aber die typische ´Mohrenkleidung´ à la turque – doch im Leben tatsächlich gewählte Kleidung, der am Textende vordergründig unvermittelt auftaucht und einige Sätze früher viel besser in den Kontext gepaßt hätte, als Pichler nämlich Solimans Aussehen thematisiert hatte, dieser Satz also könnte von ihr ganz bewußt an dieser letzten Stelle plaziert worden sein. Denn als Schriftstellerin beherrschte sie die literarische Form sehrwohl. Die bewußte Plazierung des zitierten Satzes am Ende der Biographie könnte dann ein Einspruch gegen die groteske Ausstopfung und Kostümierung Solimans im Naturalienkabinett und zugleich eine Tilgung des Bildes vom Stopfpräparat mit Federrock und Federkrone gewesen sein, das mit der Erscheinung Solimans zu seinen Lebzeiten nichts zu tun hatte. Damit hätte Pichler für die wissenden Zeitgenossen in Wien, denen Solimans Ausstopfung ja bekannt war, den Skandal der Ausstopfung sehrwohl thematisiert, ohne ihn dabei für die ahnungslose übrige Leserschaft zu enthüllen. Einen solchen formalen Kunstgriff kann man nur uneingeschränkt bewundern!

 

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Historische und poetische Wahrheit

Was das Publikum an Soliman am meisten interessiert, ist anhaltend die Tatsache seiner Ausstopfung. Alles andere, daß er ein schwieriges Schicksal meisterte, daß er ein hochgeschätzter Kriegskamerad des Fürsten Johann Georg Christian von Lobkowitz war, ein hochgebildeter Mann, ein angesehener Freimaurerfunktionär und Erzieher des Erbprinzen Alois Joseph von Liechtenstein, all dies tritt vollkommen hinter seine Zurschaustellung als Stopfpräparat zurück. Auch ich interpretierte seine Biographie einseitig, als ich 1993 Bauers Soliman-Biographie von 1922 neu herausgab. Daß ich in diesem Irrtum nicht die einzige war, tröstet mich nur wenig. Seit ich mich in der Zwischenzeit mit der mühsamen Suche nach neuen historischen Fakten beschäftige, renne ich mit diesen Fakten samt wehenden Rockschößen all jenen hinterher, die Solimans Biographie nach wie vor auf dem Stand von 1993 konservieren.

Selbstverständlich drängt sich die Frage auf, warum Solimans Ausstopfung beim Publikum sein vorheriges Leben so konstant in den Schatten stellt. Es ist fast so, als würde man Martin Luther King, Patrice Lumumba, Malcolm X und Steve Biko ebenfalls nur unter dem Aspekt ihres schrecklichen Endes betrachten. Liest man denn ihre Schriften nicht, und würdigt man ihre Leistungen nicht, weil sie ermordet wurden? Nun wurde Soliman zwar nicht ermordet, aber es ist doch eigentümlich, daß man ihn in Ludwig Fels´ Theaterstück tatsächlich umbringt, so als würde es noch nicht genügen, daß er ausgestopft wurde. Überhaupt können die Bühnenversionen von Conny Hannes Meyer und Fels nicht genug an Scheußlichkeiten aufbieten: Soliman versinkt dort im Inferno sexueller Obsessionen der Anderen, die seine Hölle sind. Meyer sagte mir in einem persönlichen Gespräch, er habe in seinem Theaterstück dem Publikum einen Spiegel vorhalten wollen, um gewissen Menschen zu verdeutlichen, daß sie bei der Erwähnung von Afrikanern immer gleich so glänzende Augen bekommen und sich in einem gewissen wohligen Schauer schütteln.

Indem Meyer seine berechtigte Kritik unter Verwendung eines Stoffes aus dem 18. Jahrhundert theatralisch umsetzt, bedient er sich des altbewährten Verfremdungseffekts. Soliman wird auf diese Weise aber zur Projektionsfigur, mit der man abermals nach Belieben schalten und walten kann, gerade so wie mit einem leblosen Präparat. Damit weicht die historische Wahrheit auf der Bühne der poetischen, um in Schillers prägnanter Terminologie zu sprechen. Dagegen läßt sich – absolut betrachtet – nichts einwenden, da der Künstler Freiheit beansprucht. Fatal wird dies jedoch für Soliman als historische Person, die doch zweifellos auch einen Anspruch reklamieren darf: Den Anspruch auf die Wahrheit ihrer Biographie – im Leben und nicht auf der Bühne. Oder hat sie mit ihrem Tod jeden Anspruch verwirkt? Afrikaner und Personen, die von Afrikanern abstammen, kritisieren inzwischen vehement, daß

seit der Kolonialzeit Werke und Wirken oder auch soziales Ansehen von Afrodeutschen in der weißen Geschichtsschreibung verdrängt und bis heute totgeschwiegen [werden].

Diese Kritik sollten endlich auch jene ernstnehmen, die sich bisher nur für den ausgestopften Soliman interessierten.

Zum Erstaunen derer, die sich mit Soliman als historischer Person auseinandersetzen, wurde 1996 dem Publikum im Begleitprogramm zur Ausstellung "WIR. Zur Geschichte und Gegenwart der Zuwanderung nach Wien" des "Historischen Museums der Stadt Wien" die poetische Wahrheit Solimans als historische präsentiert. Conny Hannes Meyer las zweimal aus seinem Werk "Angelo Soliman oder Die schwarze Bekanntschaft (1981-1983)", das die Einladungskarte als authentisches Theaterstück bezeichnet. Neuere Forschungsergebnisse zu Soliman blieben unberücksichtigt. Ich selbst sah mich einmal bei einer Einladung zu einem Soliman-Vortrag plötzlich Meyer gegenüber, der faktisch in die Rolle meines Co-Referenten schlüpfte. Seine theatralischen Fiktionen, seine ´poetische Wahrheit´ erhielt damit den Status der ´historischen Wahrheit´, gegen die ich wiederum meine durch und durch unpoetische und tatsächlich ´historische Wahrheit´ über Soliman verteidigen mußte!

 

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Soliman verkörpert uns

Lange schien es mir einzig und allein ein Skandalon zu bedeuten, daß sich das Publikum vor allem für Soliman als den großen Ausgestopften interessiert. Doch eines Tages schwante mir, es müsse ein Sinn darin liegen, daß seine Ausstopfung so hartnäckig zum interessantesten und wichtigsten Detail seiner Biographie mutierte. Nicht sein Leben, das er als ehemaliger Sklave meisterte, nicht seine Kriegskameradschaft mit dem Hochadel, nicht sein Aufstieg zum Ersten Kammerdiener bei Fürst Joseph Wenzel von Liechtenstein, nicht seine Zeit als Freimaurerfunktionär, nicht seine Zeit als Erzieher des Erbprinzen Alois Joseph von Liechtenstein, sondern einzig und allein das Abziehen seiner Haut, das Präparieren seiner Haut, das Ausstopfen derselben und ihre Zurschaustellung in einem Kostüm aus Federrock und Federkrone, einem Anzug, den Soliman im Leben niemals getragen hatte, steht permanent zur Debatte. Und dabei posierte er als Ausgestopfter auch noch – was bisher kein Autor bemerkte – in der falschen Landschaft, nämlich in einer amerikanischen und nicht in einer afrikanischen, wie wir eingangs gesehen haben.

Soliman, so sah ich ein, ist unser tragischer Held. Als Ausgestopfter verkörpert er nicht nur sich selbst, sondern auch uns. Und so wurde er zum ewig Ausgestopften vom Dienst, zum mit Füllmaterial Vollgestopften par excellence, der das Schicksal aller mit von außen kommenden Anforderungen Angefüllten stellvertretend trägt. Er zieht die Aufmerksamkeit des Publikums derart auf sich, daß die Ausstopfungen genau dieses Publikums – die Ausstopfungen zu Lebzeiten – in den Hintergrund treten. Soliman ist die verfremdete Identifikationsfigur, in der man sich eine Weile entrückt verlieren darf, über die man sich eine Weile empören darf, durch die man endlich alles Leiden des eigenen mit tausend Femdbestimmungen vollgestopften Lebens erleben darf, ohne aber wirklich an sich selbst zu denken. Was wir im übertragenen Sinn mit uns geschehen lassen, verkörpert er im wahrsten Sinne des Wortes. Er ist das konservierte Sinnbild unseres ausgestopften Strammstehens in dieser Gesellschaft. Durch seine Zurschaustellung erlöst er uns gleichsam von der drohenden Erkenntnis unserer eigenen Bloßstellungen, denen wir uns so willig fügen. Wir sehen nur auf ihn und niemehr auf uns.

 

 

 

 

Epilog

1

Moderne Menschen

Soliman war ein geachteter Mann und unter anderem Kriegskamerad des Fürsten von Lobkowitz, dem er einmal sogar das Leben rettete. Als Erster Kammerdiener des Fürsten von Liechtenstein war er seit 1764 Chef der sog. Niederen Dienerschaft und genoß eine absolute Vertrauensstellung. Und er war Prinzenerzieher. Wie bereits Wagner betonte, hatte er als Freimaurerfunktionär die Richtung seiner Loge wesentlich mitbestimmt:

Auf Soliman ist eigentlich die Einmaligkeit der Wahren Eintracht als Forschungsloge und Sammelpunkt so vieler Gelehrter und Künstler zurückzuführen, da er es war, der am 14. November 1781 die Inkorporierung des Edlen Ignaz von Born beantragt hat. Born hat dann als Meister vom Stuhl am 21. Oktober 1782 vorgeschlagen, statt der üblichen Instruktionslogen Meister-Übungslogen mit wissenschaftlichen Vorträgen zu halten.

Soliman schloß sich somit an bestimmte Personen und Gruppen an, paßte sich ihren Vorstellungen an, identifizierte sich mit ihnen und ihren Ideologien, machte sie zu den seinen und reüssierte. Und er stand sogar noch nach seinem Tod stramm – als Stopfpräparat im Dienst der ´Wissenschaft´. Dieses letztere Faktum verdeutlicht sein Ausgeliefertsein, sein sich-selbst-Ausliefern in eminenter Weise. Er verleugnet sich dabei, aber wir verleugnen uns ebenfalls permanent in unserem notgedrungenen und so oft vorauseilenden Gehorsam. Da Soliman Afrikaner war, fällt er stets besonders auf und liefert uns noch einen ´Verfremdungseffekt´ gratis dazu. Seine Ausstopfung war ein rassistischer Akt, den Eberle zur wissenschaftlichen Aktion uminterpretierte, so wie von Hagens die Ausstellung seiner plastinierten Toten zur aufklärerischen Großtat erklärt. Daß Soliman durch seine von mir unterstellte Körperspende sich selbst rassistisch diskriminierte, ändert am Skandal der Ausstopfung nichts, sondern macht ihn nur noch schlimmer. Zynisch formuliert war Soliman jedoch sehr ´modern´. In unserer Gesellschaft galt es in den letzten Jahren als Zeichen besonderer ´Gelassenheit´, über Blondinenwitze zu lachen, gerade wenn und weil man selbst blond war. Und der gegenwärtige Kinofim "Natürlich blond!" führt diese Zumutungen fort. Somit ist es heute ´zeitgemäß´, Diskriminierungen der eigenen Person ´gelassen´ hinzunehmen, und damit willig zu legitimieren. Durch diesen Verrat avancieren sie vom Skandal zur Selbstverständlichkeit. Analog reagierte offenkundig schon Soliman.

 

2

Hören Sie endlich auf, Soliman zu belästigen!

Wer sich lange mit Angelo Soliman beschäftigt hat, unterdrückt im Lauf der Zeit nur schwer einen gewissen Unwillen: Personen, die sich sonst anpassen, wo immer sie nur können, ohne es wirklich zu müssen, Personen, die sonst mit einer geradezu lustvollen Hingabe alles hinnehmen, was ihnen zugemutet wird, verhalten sich im Fall von Solimans Ausstopfung plötzlich wie unentwegte Kämpfer für Selbstbestimmung und Gerechtigkeit. Man erkennt sie nicht wieder. Sie werden durch Soliman zu anderen Menschen. Sie verwandeln sich. Wenn sie in ihrem eigenen Leben auch sonst alles willig auf sich nehmen, in sich aufnehmen, willig wiedergeben und gleichsam strammstehen als ein von allen Ideen des Tages freudig erfülltes Wesen, so konzentrieren sie sich auf Solimans Ausstopfung doch ganz und gar. Soliman ist der Ausgestopfte vom Dienst. Er ließ sich scheinbar für uns alle ausstopfen, damit wir nur auf ihn sehen und nicht bemerken, wie stramm wir selbst dabei stehen. Und da sein Leben jetzt nicht mehr interessiert, raubt man ihm nun dieses Leben auch noch, tötet ihn letztlich gewaltsam wie Ludwig Fels in seinem Theaterstück, so als ob die Ausstopfung noch nicht genügen würde. Ja, es reicht noch nicht: Für Solimans Leben ist nämlich kein Platz. Er muß seine Stellvertreterfunktion ganz und gar erfüllen, sonst können wir uns nicht mit ihm identifizieren. Er ist der große Ausgestopfte, und nur dadurch wird er groß, weil ein Afrikaner offensichtlich Größe nur als Opfer zeigen kann. So haben wir es in den Medien gelernt. Was uns beim "Nickneger" angeblich störte – seine Hilfsbedürftigkeit – bekommt Soliman nun erst recht – in seine Haut gestopft. Auch wir stopfen ihn aus.

Hören Sie endlich auf, Soliman zu belästigen! Stellen Sie seine Leistungen heraus! Würdigen Sie ihn. Lassen Sie ihn in Ruhe, wenn Sie ihn nur als Ausgestopften ertragen können. Wenn es so ist, dann lassen Sie ihn in Frieden. Um Ihretwillen. Hier kommt die letzte Gelegenheit zur Selbstreflexion. Kümmern Sie sich doch endlich um Ihre eigenen Angelegenheiten, und hören Sie auf, Soliman um sein Leben zu betrügen! Er verbittet sich Ihr Mitleid. Er benötigt es nicht! Er ist nicht ärmer als Sie. – Passen Sie auf, Sie fallen gleich um, Füllmaterial quillt aus Ihnen hervor...!

 ƒ  ƒ  ƒ  ƒ

Solimans Biographie in Stichpunkten

(Stand: Oktober 2001)

Um 1721

Solimans Geburt in Afrika. Er dürfte aus dem Volk der Kanuri (heutiges Nordostnigeria) stammen.

Um 1728

Als Sklave bis nach Nordafrika verschleppt.

Um 1730

Nach Messina in den Haushalt einer Marquise weiterverkauft. Lernt dort Italienisch, erhält Unterricht. Katholisch getauft auf den selbstgewählten Namen "Angelo" mit dem Zusatz "Soliman". Später gibt er sich fälschlicherweise für den (historisch verbürgten) Wándala-Prinzen Mmadi Make aus. Die Wándala sind ein Volk im heutigen Nordostnigeria/Nordkamerun. Mmadi Make (1703/04-1760) regierte als König seit 1742/43.

1732/34

Weiterverschenkt an Fürst Johann Georg Christian von Lobkowitz (1686-1753). Dieser ist k.k. Generalfeldmarschall und Chef des Hauses Lobkowitz (Stammgebiet in der heutigen Tschechischen Republik).

1732/34-1753

Soliman erhält abermals Unterricht und lernt Deutsch. Arbeitet als Mitglied der Dienerschaft, ständiger Reisebegleiter, Vertrauter und Soldat von Lobkowitz, mit dem er an seinen Feldzügen teilnimmt und ihm einmal sogar das Leben rettet.

 

1753-1768

Nach dem Tod von Lobkowitz in Diensten von Fürst Joseph Wenzel von Liechtenstein (1696-1772). Dieser ist einer der einflußreichsten kaiserlichen Militärs und Chef des gleichnamigen Hauses. Seit 1764 ist Soliman Erster Kammerdiener und damit Chef der sog. Niederen Dienerschaft. Im selben Jahr gewinnt er 20.000 Gulden beim Kartenspiel.

1768

Ungenehmigte, heimliche Heirat mit Magdalena (1734-1786), geb. von Kellermann, verw. Christiani. Die Heiratserlaubnis war in jener Zeit für Dienerschaft, Beamte, Militärs etc. obligatorisch. Liechtenstein, der Heiraten seiner Angestellten aus finanziellen Gründen (mögliche Versorgungslast Hinterbliebener) ablehnte, entläßt Soliman fristlos. Umzug in ein Gartenhaus in einer Wiener Vorstadt.

1772

Geburt des einzigen Kindes Josephine (auch: Josepha). Soliman beherrscht die Sprachen Deutsch, Italienisch, Französisch, Tschechisch, Englisch und Latein. Er beschäftigt sich mit wissenschaftlichen Arbeiten, erfreut sich eines illustren Freundeskreises und genießt den allerbesten Ruf.

1773

Fürst Franz Joseph von Liechtenstein (1726-1781), Neffe und Nachfolger Joseph Wenzels, rehabilitiert Soliman und stellt ihn als Erzieher seines Sohnes Erbprinz Alois Joseph (1759-1805) wieder ein.

1781

Pensionierung mit Rente.

1781-1786

Mitgliedschaft in den Wiener Freimaurerlogen "Zur wahren Eintracht" und "Zur Wahrheit". Soliman übt in der erstgenannten Loge die Funktionen des "Vorbereitenden Bruders" (betreut und prüft die neuen Mitglieder ) und des Vizezeremonienmeisters aus.

1786

Tod der Ehefrau Magdalena Soliman.

1796

Tod Solimans nach einem Schlaganfall. Der Bildhauer Franz Thal(l)er fertigt einen Gipsabguß des Kopfes an. Begraben werden nur die Eingeweide. Die Haut wird abgezogen und ausgestopft. Die aufgrund des Gipsabgusses entstandene Gipsbüste steht heute in der Dauerausstellung im "Rollettmuseum der Stadtgemeinde Baden" bei Wien. Sie wurde erst 1996 – 200 Jahre nach Solimans Tod – im Zusammenhang mit einer wissenschaftlichen Anfrage aus Stuttgart als Büste Solimans identifiziert.

1796/97-1806

Soliman steht ausgestopft in der Dauerausstellung des k.k. Naturalienkabinetts / Zoologische Abteilung in einem Phantasiekostüm in einer amerikanischen! Landschaft.

1806

Das Stopfpräparat wird vom neuen Direktor ins Magazin verlegt.

1807

Der Arzt und Schädelforscher Franz Joseph Gall (1758-1828) trifft von Wien kommend in Paris ein und berichtet dem Kleriker und Abolitionisten Henri Grégoire (1750-1831) von Soliman. Grégoire erbittet in Wien einen Bericht über Solimans Leben. Eleonore (von) Flies/Fließ, geb. Eskeles (1752-1812) sammelt bei Solimans Freunden Material, das die Schriftstellerin Karoline Pichler (1769-1843) zur Kurzbiographie "Der Neger Angelo Soliman" verarbeitet (zuerst veröffentlicht im "Morgenblatt für gebildete Stände", Sept. 1808). Der Text erscheint dann kurz darauf in französischer Übersetzung als Kapitel V in Grégoires "De la Littérature des Nègres".

1848

Solimans Stopfpräparat verbrennt mit drei weiteren Präparaten ausgestopfter Afrikaner (im Naturalienkabinett seit 1798, 1801 und 1808).

Abschließend sei betont, daß Soliman als erwachsener Mann kein Sklave oder Leibeigener war, sondern ein freier Mann mit regulärer Besoldung und Rechten wie seine weißen Mitmenschen.

Übrigens:

Solimans Gipsbüste sehen Sie in diesem Heft nicht!

Erraten Sie, warum?

 

 

Literatur

 

 

 

Bauer, Wilhelm A.

1993 (zuerst erschienen 1922)

Angelo Soliman, der hochfürstliche Mohr. Ein exotisches Kapitel Alt-Wien. Hrsg. u. eingel. von Monika Firla-Forkl. Berlin.

Dantzig, Albert van

1978

The Dutch and the Guinea Coast. A Collection of Documents from the General State Archive at the Hague. Accra.

Fanon, Frantz

1985 (zuerst erschienen 1952)

Schwarze Haut, weiße Masken. Aus dem Französ. übers. von Eva Moldenhauer. Frankfurt am Main.

Fels, Ludwig

1991

Soliman. In: Ders., Soliman. Lieblieb. Zwei Stücke. Frankfurt am Main, S. 7-76.

 

Firla, Monika

1996

Angelo Soliman in der Wiener Gesellschaft vom 18. bis 20. Jahrhundert. In: Gerhard Höpp (Hrsg.) 1996, S. 69-96.

1997

Kants Thesen vom "Nationalcharakter" der Afrikaner, seine Quellen und der nicht vorhandene ´Zeitgeist´. In: Mitteilungen des Instituts für Wissenschaft und Kunst [Wien] 52, Nr. 3 (= zugleich Themenheft "Rassismus und Kulturalismus"), S. 7-17.

1998

Die multifunktionale Projektionsfigur? – Angelo Soliman (um 1721-1796) auf der Bühne des 20. Jahrhunderts. Vortrag, gehalten auf dem Deutschen Afrikanistentag in Bayreuth 1998. Unveröffentlichtes Manuskript.

1998/99

Bemerkungen zu zwei kontroversen Punkte in der Biographie Angelo Solimans (um 1721-1796). In: Aufklärung – Vormärz – Revolution. Jahrbuch der »Internationalen Forschungsstelle Demokratische Bewegungen in Mitteleuropa von 1770-1850« an der Universität Innsbruck 18/19, S. 25-39.

1999

Die Afrikaner-Büsten im Rollettmuseum Baden bei Wien. Eine österreichisch-baden-württembergische Sammlung. Mit einem Gutachten zur Büste Angelo Solimans von Maria Teschler-Nicola, Georg Ernst Franzke und Vera M.F. Hammer. In: Tribus 48, S. 67-103.

Firla, Monika/Forkl, Hermann

(hier wurde erstmals über den Büstenfund berichtet, mit 4 Abb.)

1996

Neue Details zur Biographie von Angelo Soliman (um 1721-1796). In: Etudes Germano-Africaines 14, S. 119-136.

Firla-Forkl, Monika

1993

Einleitung. In: Wilhelm A. Bauer 1993, S. 7-25.

Fitzinger, Leopold Joseph

1856

Geschichte des kais. kön. Hof-Naturalien-Cabinetes in Wien. 1. Abtheilung. Älteste Periode bis zum Tode Kaiser Leopold II. 1792. In: Sitzungsberichte der philosophisch-historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften 21, S. 433-479.

1868

[Geschichte des k.k. Hof-Naturalien-Cabinetes in Wien] Periode unter Franz II. (Franz I. Kaiser von Österreich) bis zu Ende des Jahres 1815. In: Sitzungsberichte der mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. 1. Abt., 57, S. 1014-1091.

1881

Geschichte des k.k. Hof-Naturalien-Cabinetes in Wien. V. Abtheilung. Periode unter Kaiser Ferdinand I. von Österreich von 1842 bis zum Rücktritt des Kaisers von der Regierung Anfangs December 1848. In: Sitzungsberichte der mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. 1. Abt., 82, S. 279-335.

Forster, Georg

1973

Werke. Sämtliche Schriften, Tagebücher, Briefe. Hrsg. v. d. Akademie der Wissenschaften der DDR, Bd. 12: Tagebücher. Berlin.

1978

Werke. Sämtliche Schriften, Tagebücher, Briefe. Hrsg. v. d. Akademie der Wissenschaften der DDR, Bd. 14: Briefe 1784 – Juni 1787. Bearb. v. Brigitte Leuschner. Berlin.

Freud, Anna

1987 (zuerst erschienen 1936)

Das Ich und die Abwehrmechanismen. Frankfurt am Main.

Grégoire, Henri

1808

De la Littérature des Nègres, ou Recherches sur leurs Facultés intellectuelles, leurs Qualités morales et leur Littérature; suivi de Notices sur la Vie et les Ouvrages des Nègres qui se sont distingués dans les Sciences, les Lettres et les Arts. Paris. [Kap. 5 enthält Pichlers Kurzbiographie in franz. Übersetzung.]

1809a

Die Neger. Ein Beitrag zur Staats- und Menschenkunde. Aus dem Französ. übers. von Saul Ascher. Berlin.

1809b

Über die Literatur der Neger, oder Untersuchungen über ihre Geistesfähigkeiten, ihre sittlichen Eigenschaften und ihre Literatur, begleitet von Notizen über das Leben und die Schriften derjenigen Neger, die sich in Wissenschaften und Künsten auszeichneten. Aus d. Französ. übers. von P. Usteri. Tübingen.

Hagens, Gunther von

2001

Gruselleichen, Gestaltplastinate und Bestattungszwang. In: Wetz / Tag 2001, S. 40-84.

Höpp, Gerhard (Hrsg.)

1996

Fremde Erfahrungen. Asiaten und Afrikaner in Deutschland, Österreich und in der Schweiz bis 1945. Berlin.

Hügel-Marshall, Ika

2001

Die Situation von Afrodeutschen nach dem zweiten Weltkrieg (am Beispiel meiner Autobiographie: "Daheim unterwegs. Ein deutsches Leben") und heute. In: Helmuth A. Niederle/Ulrike Davis-Sulikowski/Thomas Filitz (Hrsg.), Früchte der Zeit. Afrika, Diaspora, Literatur und Migration. Wien, S. 75-84.

Hyrtl, Joseph

1868

Vergangenheit und Gegenwart des Museums für menschliche Anatomie an der Wiener Universität. Wien.

Institut für Plastination, Heidelberg (Hrsg.)

1999

Ergänzungsband zum Katalog Körperwelten. Die Faszination des Echten. Heidelberg.

Irmen, Hans-Josef (Hrsg.)

1994

Die Protokolle der Wiener Freimaurerloge "Zur wahren Eintracht" (1781-1785). Hrsg. in Zusammenarbeit mit Frauke Heß und Heinz Schuller. Frankfurt am Main u.a.

Kant, Immanuel

1912 (zuerst erschienen 1788)

Über den Gebrauch teleologischer Prinzipien in der Philosophie. In: Ders., Gesammelte Schriften. Hrsg. von der Preußischen Akademie der Wissenschaften, Bd.8. Berlin , S. 157-184.

Landesmuseum für Technik und Arbeit, Mannheim/

Institut für Plastination, Heidelberg (Hrsg.)

1997

Körperwelten. Einblicke in den menschlichen Körper. 30. Oktober 1997 bis 1. Februar 1998. Ausstellungskatalog. Heidelberg.

Lessing, Erich (Hrsg.)

1984

Die Übungslogen der gerechten und vollkommenen Loge Zur wahren Eintracht im Orient zu Wien 1782-1785. Wien.

Lotsen der Therapie

1997

[Anonymer Artikel] In: DER SPIEGEL 46, S.208-212.

Martin, Peter

1993

Schwarze Teufel, edle Mohren. Afrikaner in Bewußtsein und Geschichte der Deutschen. Mit e. Nachwort von Hans Werner Debrunner. Hamburg.

 

2001(ohne Nachwort, ansonsten identisch mit Martin 1993)

Schwarze Teufel, edle Mohren. Afrikaner in Bewußtsein und Geschichte der Deutschen. Hamburg.

Meyer, Conny Hannes

1981

Angelo Soliman oder Die schwarze Bekanntschaft (1981-1983). Wien u.a.

Historisches Museum der Stadt Wien

1996

[Einladungskarte zu einer Begleitveranstaltung] Im Rahmen der Ausstellung "WIR. Zur Geschichte und Gegenwart der Zuwanderung nach Wien". [Autorenlesung und Publikumsdiskussion von und mit Conny Hannes Meyer zu seinem Theaterstück "Angelo Soliman oder Die schwarze Bekanntschaft (1981-1983)", 8. und 14. Dez. 1996]. Wien.

Neverov, Oleg

1985

"His Majesty´s Cabinet" and Peter I´s Kunstkammer. In: Oliver Impey/Arthur McGregor (Hrsg.), The Origins of Museums. The Cabinet of Curiosities in sixteenth- and seventheenth-century Europe. Oxford, S. 54-61.

Osiander, Johann Friedrich

1817

Nachrichten von Wien über Gegenstände der Medizin, Chirurgie und Geburtshülfe. Tübingen.

Pichler, Karoline

1808

Der Neger A n g e l o S o l i m a n. In: Morgenblatt für gebildete Stände. Nr. 210 vom 1. Sept. 1808, S. 837-838; Nr. 211 vom 2. Sept 1808, S.842-843 [Vorabdruck, noch bevor Grégoires "De la Littérature..." erschien; siehe Nr. 210 vom 1. Sept., S. 837].

1993

Angelo Soliman 1807. In: Bauer, Wilhelm A. 1993, S. 112-118.

Poeschel, Sabine

1985

Studien zur Ikonographie der Erdteile in der Kunst des 16. – 18. Jahrhunderts. München.

Prah, Kwesi Kwaa

1989

Jacobus Eliza Johannes Capitein 1717 – 1747. A Critical Study of an Eighteenth Century African. Braamfontein [Südafrika].

Reinalter, Helmut

1991

Ignaz von Born – Persönlichkeit und Wirkung. In: Ders. (Hrsg.), Die Aufklärung in Österreich. Ignaz von Born und seine Zeit. Frankfurt am Main u.a., S.11-32.

Sauer, Walter

1996

Auf der Suche nach dem afrikanischen Wien. In: Ders. (Hrsg.), Das afrikanische Wien. Ein Führer zu Bieber, Malangatana & Soliman. Wien, S. 10-40.

Schiller, Friedrich

1970 (zuerst erschienen 1792)

Über die tragische Kunst. In: Ders., Vom Pathetischen und Erhabenen. Ausgewählte Schriften zur Dramentheorie. Hrsg. von Klaus L. Berghahn. Stuttgart, S. 30-54.

Schuster, Gabriele

1996

Der "Mohr" als Schauobjekt im k.k. Naturalienkabinett Wien. In: Gerhard Höpp (Hrsg.) 1996, S. 97-108.

Soemmerring, Samuel Thomas

1784

Über die körperliche Verschiedenheit des Mohren vom Europäer. Mainz.

1785

Über die körperliche Verschiedenheit des Negers vom Europäer.[= 2., erw. Auflage von Soemmerring 1784]. Frankfurt am Main.

Soyinka, Wole

1982

Literatur und die afrikanische Welt. Ideologie und gesellschaftliche Vision. In: Rüdiger Jestel (Hrsg.), Das Afrika der Afrikaner. Gesellschaft und Kultur Afrikas. Frankfurt am Main, S. 324-362.

Stütz, Andreas

1786

Tod ist Leben. In: Journal für Freimaurer 3, 1. Viertel, S. 153-158.

Verlinden, Charles

1970

Wo, wann und warum gab es einen Großhandel mit Sklaven während des Mittelalters? Köln.

Wetz, Franz Josef/Tag, Brigitte (Hrsg.)

2001

Schöne Neue Körperwelten. Der Streit um die Ausstellung. Stuttgart.

Witkam, H.J.

1980

Catalogues of all the Chiefest Rarities in the Public Anatomic Hall of the University of Leiden. Leiden.

Wurzbach, Constant von

1856-1923

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich, enthaltend die Lebensskizzen der denkwürdigen Personen, welche seit 1750 bis 1850 im Kaiserstaats und in seinen Kronländern gelebt haben. 60 Bde. Wien.

 

 

Ungedrucktes Archivmaterial

 

 

 

Stuttgart

Hauptstaatsarchiv Stuttgart (HStAS): A 19a Bd. 39 (Reiserechnungsband der Reise Herzog Eberhard Ludwigs von Württemberg nach den Niederlanden, England und Frankreich, Eintrag vom 20. Mai 1700).

Wien

Haus-, Hof- und Staatsarchiv Wien (HHStAW): VA 80 (Kasse-Buch der Loge "Zur wahren Eintracht", fol. IIr, Eintrag vom 14. Juni 1783).

Erzbischöfliches Ordinariat Wien/Archiv: Pfarrei St. Stephan Wien/Totenbuch, Eintrag vom 12. Januar 1789.

Stadtarchiv Wien: Verlassenschaftsakten des Angelo Soliman 1796/97.