Publikationen
- Bert Gstettner: 32 Jahre (8. Geburtstag) Tanz*Hotel
29.02.1992 - 29.02.2024
Tanz*Hotel wird 32 Jahre und feiert heute seinen 8. Geburtstag, am alle vier Jahre wiederkehrenden Schalttag!

Die bahnbrechende Wiener Tanzcompany und das Produktionslabel Tanz*Hotel wurde an einem sonnigen Frühjahrs-Samstag, in der alten Heller-Zuckerl-Fabrik in Wien X., eröffnet. Gründer und Leiter Bert Gstettner und seine MitstreiterInnen Roland Martin, Werner Bechter, Claudia Hitzenberger, Alexander Strauß und Rebecca Wortmann performten, in Anwesenheit des erweiterten Teams (Cynthia Schwertsik, Heidemarie Just, Ulrike Lintschinger, Dagmar Inschlag, Reinhard F. Handl), sowie etlichen GastkünstlerInnen (Daniel Aschwanden, Silvia Both, Christian Polster, Mario Gasser u.a.) einen 24 stündigen Reigen von Tanz-Acts, Installationen und Party. Es war ein großes Fest in der großen Fabrik - für die ganze Wiener Tanzszene!

Die Beziehung Tanzperformance-Raum-Publikum und die Rituale der Gastfreundschaft wurden durch den Akt im Label-Namen Tanz*Hotel vereint. Die Zeitreise in noch ungeahnte Gebiete konnte beginnen!
In den 32 Jahren wurden Gstettners zeitgenössische Choreografien oft in Zusammenarbeit mit KomponistInnen und Bildenden KünstlerInnen erarbeitet, gespielt und getourt. Einige Site-specific-Werke konzentrierten sich auf ganz besondere Orte, nicht nur in Wien. Mit dem Umzug in das urbane Umfeld der Zirkusgasse, im Jahr 2006, wurde die Beherbergung, Unterbringung und Sichtbarmachung des Zeitgenössischen im Gegenwartstanz um Resort und Residenzen erweitert.


Tanz*Hotel logierte in den Lofts der Heller Fabrik Wien X, Davidgasse 79 von 1992-2005. Nach Schließung und Verkauf des Areals wurden die zentrumsnahen Lokale in der Leopoldstadt, Zirkusgasse 35 bezogen.
Fotos: Bert Gstettner / Tanz*Hotel, Bildrecht
- Bert Gstettner: 30 Jahre Tanz*Hotel
In: Gift 02/22, 30 Jahre Tanz*Hotel. Im Gespräch mit dem Gründer Bert Gstettner
"Möge Tanz*Hotel weiterhin so lebendig, aktiv und innovativ weitermachen und der Zukunft von Tanz, Performance, Choreografie ein guter Hafen und eine spannende Bühne sein!" Zum Artikel: PDF gift, Im Gespräch
- Julius Werner Chromecek: Tanzräume in Wien
Mit Fotografien der beiden T*H Studios.
"Die Reihe zeigt keine tanzenden Menschen - diese sind auf den Bildern aber noch als Energie fühlbar, sie haben den jeweiligen Raum kurz vor der Aufnahme belebt und diesem ihre persönliche Schwingung verliehen. Das abzubilden war mein Ziel."
- Bert Gstettner: Angelo Soliman (1721-1796) - Revisited
In: Michael Hüttler, Hans Ernst Weidinger (Hrsg.): Ottoman Empire and European Theatre, Vol. 5: Gluck and the turkish subject in ballet and dance. Wien: Hollitzer, 2019.
"This article is dedicated to an outstanding personality of eighteenth-century Vienna. It deals with two choreographic plays, Angelo*Soliman (1996/7) and Soliman*Revisited (2011), which follow the footsteps of th valet Angelo Soliman from the past to the present day."
- Maria Rennhofer: Medusa*Expedit. Eine multimediale Performance (...)
In: Rundum Kultur, Rondo. Beilage derStandard, 13.11.2015
"Gemeinsam realisierten die beiden (Gstettner Choreografie, Mlenek Zeichnungen) unter dem Titel MEDUSA*EXPEDIT eine vielschichtige Bühnenarbeit, die vom Gemälde 'Das Floß der Medusa' des französischen Malers Théodore Géricaultinspiriert ist und als Produktion von Gstettners auf interdisziplinäre Kunstprojekte spezialisiertem Label Tanz*Hotel im Team mit dem Komponisten Günther Rabl (...) zu einem intensiven multimedialen Gesamterlebnis gediehen ist." Zum Artikel: PDF DerStandard Rondo, Maria Rennhofer
- Bert Gstettner: Aus den Tiefen des Wiener Kulturtanks
In: Eva Brenner (Hrsg.): Anpassung oder Widerstand: Freies Theater heute. Vom Verlust der Vielfalt. Wien: Promedia, 2013
"Ich zähle mich zu der aus dem WUK kommenden Tanzkünstlergruppe, die sich in den 1980ern dort Räume außerhalb der Studioszene erobert hat. Wir waren noch so sozialisiert, dass man in Alternativen zum Bestehenden dachte, (…) und neue Lebens-Arbeits-Kunst-Modelle ausprobieren und voranbringen wollte. Es herrschte eine große Aufbruchstimmung in dieser kleinen Wiener Tanzszene, die aus einem künstlerischen Drang einerseits und aus einem Mangel an fehlenden Ausbildungs-, Produktions- und Auftrittsmöglichkeiten andererseits, hoch motiviert daran ging, dem künstlerischen Tanz Gegenwart und Permanenz zu geben." Aus dem Interview mit Barbara Freitag.
- Ursula Kneiss: Bert Gstettner und sein Tanz*Hotel
In: Andrea Amort, Mimi Wunderer-Gosch (Hrsg.): Österreich tanzt. Geschichte und Gegenwart, Wien: Böhlau Verlag, 2001.
"Zur ersten Etappe der aufstrebenden Choreographen gehören Bert Gstettner, Elio Gervasi und Willi Dorner; später hinzu kamen das Choreographen-Duo Roderich Madl und Doris Ebner, Paul Wenninger, Christine Gaigg und Saskia Hölbling. Auf einsamen Posten, im fernen Kärnten, kämpfte währenddessen Zdravko Haderlap mit seinem provokanten Tanztheater Ikarus.
Bert Gstettners Werkliste reicht bis in das Jahr 1984 zurück. Zu Beginn waren es kleinere Arbeiten, Soli, Duette, mit denen er auf sich aufmerksam machte. Damals war schon sein Hang zum Skurrilen, zur Groteske, zu stark verzerrtem Körperausdruck bemerkbar. Oft bezog er das Publikum aktiv in den Ablauf seiner Performances ein wie in den gemeinsam mit Silvia Both geschaffenen Duetten Double Tilt (1989), das sich im Stiegenhaus des WUK abspielte, und Balkonkontrast (1990).
Gstettners vielseitige Ausbildung – er hatte unter anderem in New York bei Erick Hawkins, einem der Pioniere des amerikanischen Modern Dance, studiert, sich weiters mit außereuropäischen Theaterformen und südosteuropäischen Volkstanz beschäftigt – kam immer mehr zum Tragen. Ethnische Elemente fanden Einzug in sein erstes Langzeitprojekt Labyrinth-Triptychon (1988-90), das die Minotaurus-Sage behandelte.1992 adaptierte Bert Gstettner mit seinen Mitstreitern eine ehemalige Fabrik in Wien-Favoriten, wo bis heute seine Truppe, Tanz*Hotel, residiert und mit zeitgenössischen Komponisten, Bühnen- und Kostümbildnern zusammenarbeitet. Raumgestaltung, überzeichnete, mitunter die Motorik beeinträchtigende Kostüme und symbolische Requisiten sind ihm von zentraler Bedeutung. Jeder Tanz*Hotel-Produktion geht eine intensive thematische Recherche voraus: In Angelo*Soliman (1996) beschäftigte er sich mit der im 18. Jahrhundert von Gasparo Angiolini und Jean Georges Noverre entwickelten Form des Ballet d´action; In Il*Libro*Mio (1998) wandelte er auf den Spuren des Florentiner Manieristen Pontormo; Cut*A*Way (1999) war als Streifzug durch die Tanzgeschichte des 20. Jahrhunderts konzipiert.
Daneben hat er auch multimediale Performances kreiert und für seine Events artfremde Lokalitäten aufgespürt. Das Bühnenstück Time*Sailors (1995) brachte er 1998 in einer mehrere Tage lang dauernden, virtuellen Zeitreise als interdisziplinäres Dance Environment auf der Kaiserbadschleuse am Wiener Donaukanal zur Aufführung."
- Nachruf von Bert Gstettner: Daniel Aschwanden, 8.7.2021
Erinnerung an meinen Weggefährten, den Choreografen, Performer und Aktivisten Daniel Aschwanden:
Es war für mich sehr traurig, im Juli vom Tod meines Kollegen Daniel Aschwanden über die Medien zu hören. Es hat mich schockiert und ich bin noch immer betroffen, auch weil es für mich völlig unvorbereitet kam. Mit Daniel und einigen anderen FreundInnen und KollegInnen aus der Zeit der späten 80-er Jahre teilte ich auf verschiedene Weise die bahnbrechenden Anfänge einer Wiener Tanz- und Performanceszene. Über den menschlichen Verlust von Daniel hinaus, erschüttert mich ebenso die Tatsache, dass einer der wesentlichen Initiatoren, der heute prosperierenden lokalen und internationalen Tanz- und Performanceszene, nicht mehr lebt.



Fotos aus Archiv B.G.: Mitte "Liebe und Wald“ (FotografIn derzeit unbekannt). Rechts & Links "Schwarz-Weiß im Mai" (Foto: Gebhart Sengmüller)Die künstlerische Zusammenarbeit mit ihm war über viele Jahre hindurch immer wieder sehr inspirierend und menschlich angenehm - man lernte voneinander und unterstützte sich selbstverständlich gegenseitig. Dafür war der Ort Wuk, das Werkstätten- und Kulturhaus, von immenser Bedeutung. Bei dem 1988 von ihm initiierten Festival Tanzsprache im Wuk, zeigte ich mein erstes großes Solo in Wien. Es folgten meine Choreografien "Koma" (1989) und "Lab Y rinth 3" (1990) ebenfalls bei der Tanzsprache. Wir arbeiteten als Kollektiv "Ufos Wien" für das Projekt "Liebe und Wald" (Premiere 1989, dieTheater Künstlerhaus Wien) intensiv zusammen. Immer wieder kam es zu gemeinsamen Aktionen und Performances im und um das Wuk herum, wie zum Beispiel im Projektraum mit dem Happening-Duett "Schwarz-Weiß im Mai" (1990, siehe Fotos).
Auf tanzpolitischer Ebene hatte ich mit Daniel, nach der gemeinsamen Leitung von Tanz*Raum Burgenland (1989), noch viele weitere Berührungspunkte in den 1990er Jahren, die in der Zusammenarbeit für die Wiener ChoregrafInnen-Plattform gipfelten. Nach Spaltung, Entzweiung und Entsolidarisierung der Szene in den 2000er Jahren wurde auch der Kontakt zu ihm weniger, aber vielleicht einfach auch aufgrund privater Veränderungen. Im vergangenen Jahrzehnt hatten wir nur mehr sporadisch Kontakt. So hatte ich vor eineinhalb Jahren, nach einem "Wiener Perspektive"-Treffen, einen schönen Spaziergang mit ihm zu seinem Studio im X. Bezirk. Das ist mir in sehr angenehmer Erinnerung geblieben.
Daniel hatte sehr schöne Hände. Ich habe sie oft mit ihren sanft-eleganten Bewegungen aufmerksam wahrgenommen. Sein Menschsein bildete sich für mich in seinen Händen ab. Ihm gebührte und gebührt mein ganzer kollegialer Respekt. Ich schätzte seine künstlerische Arbeit mit seiner Formation Bilderwerfer. Daniel Aschwanden ging in vielerlei Hinsicht mit seinen Ideen und mit seinem Engagement voraus.
Bert Gstettner
- Nachruf von Bert Gstettner: Ismael Ivo, 8.4.2021
Die schreckliche Nachricht vom Tod des Tänzers und Choreografen Ismael Ivo. Dass dieser wunderbare Mensch vom Virusmonster getötet wurde ist sehr traurig. Jetzt bleibt uns nur die Erinnerung.

Foto: Anno Wilms. Fotokopie aus dem Magazin "Ballett International Tanz Aktuell" Nr. 5, 1995.Anfang der 80er Jahre, als der Sektor Tanz in Wien zu erwachen begann, belegte ich als junger Tanzstudent im Tanzforum Wien den ersten Kurs, den Ismael Ivo anbot. Ein großartiger Tanz-Zauber kam mit diesem langgliedrigen, starken, anmutigen und sanften Menschen zu uns. Ismael Ivo wurde in Wien zum Vorbild und hat die Tanzszene als Co-Leiter von den Wiener Tanzwochen und ImPulsTanz hier rasch mitgeprägt: in tänzerisch-künstlerischer Hinsicht zeigte er uns seine dramatisch-explosive Kraft und seine musikalisch-feinfühlige Bühnenpräsenz - als Mensch seine charmante und angenehm einnehmende Art in der Begegnung. Die Sympathien flogen ihm von überall zu und rasch stieg er in Wien zur Ikone auf.
1992, als ich Tanz*Hotel gründete, war Ismael zu Besuch im Studio bei der Probe zur Choreografie "Gast*Mahl“, das in Kooperation mit ImPulsTanz von mir auf die Bühne gebracht wurde. Immer wieder begegneten wir uns bei den Tanzwochen, bei seinen Premieren oder anderen Bühnenereignissen. Auf Tournee mit Tanz*Hotel Cie bereiste ich Mitte der 90er Jahre sein Heimatland Brasilien.
ImPulsTanz hat nun seinen langjährigen Leuchtturm und Mitbegründer verloren und wir alle einen großen Menschen. Ismael Ivo wird mir immer stark, schön und leidenschaftlich - wie er war - in Erinnerung bleiben.
Bert Gstettner
- Nachruf von Bert Gstettner: Gernot Sommerfeld 1959-2024

Gernot Sommerfeld 1994Der Künstler Gernot Sommerfeld hat zwischen 1993 und 2004 etliche großartige Bühnenbilder und Raumbühnen für Bert Gstettners Tanz*Hotel Produktionen geschaffen. Gernot hat die Wiener Freien Bühnen Wuk, Odeon und Künstlerhaus verzaubert. Aus leeren Räumen hat er für Tanz*Hotel Raumbühnen gemacht, darunter das Totale Theater Mittersteig, das Refrigidarium im Bad zu Sonne in Graz, die Cselley-Mühle Halle Oslip, die Schottenstift-Katakomben, die Halle E und G des Wiener Messepalasts (MQ), die Sporthalle 1030 Wien, die Heller-Fabrik in Wien.


Tübingen, 1995, Klaus Obermaier, Robert Spour @ Metabolic*Stabilizers 1995/96/97Mit der T*H Company waren wir gemeinsam auf Tournee in Frankfurt, Leipzig, Budapest, Bytom, mehrmals in Skopje und Kairo sowie in Belo Horizonte, Sao Paolo, Mexico City und Kopenhagen. 2023 erfolgte die Wiederaufnahme der legendären Choreografie und Produktion Time*Sailors für das ImPulsTanz Festival im Odeon. Leider war das unsere letzte Zusammenarbeit. Am 21.12.2024 ist Gernot Sommerfeld verstorben. Bert Gstettner und Tanz*Hotel trauern um den Freund, großen Menschen, Künstler, Zeichner, Bühnenbildner und Ausstatter. Seine markanten Bühnenbilder haben Tanz*Hotel zwischen 1993-2005 durch viele spannende Stationen in Wien und um die Welt und zuletzt beim Impulstanzfestival 2022 begleitet. Mehr zu seinem Werk >>>

Wien WUK 2000, Gstettner, Sommerfeld @ Liebes*Konzil | Foto: Otto JekelChoreografien und Tanz*Hotel Produktion mit dem Bühnenbildner Gernot Sommerfeld:
1993: Bad der Diana >>>
1993/94: Penelope - Molly*Bloom >>>
1995/96: Time*Sailors >>>
1996/97: Angelo*Soliman >>>
1997: B*Brainers >>>
2000: Liebes*Konzil (nach O. Panizza) >>>
2001: Station*Corpus >>>
2002: K*Katharsis | Grosse*Fuge >>>
2003: Quadrat*Quadrat >>>
2004: Mini*Festival | Satyr*Icons >>>
The Pit, Peter Noever, Breitenbrunn,1995Alle Fotos Bert Gstettner
